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Avon will mit ?Viper?-Produktfamilie im Motorradreifenmarkt wachsen

09.06.2006

Nachdem die Avon-Sportmotorradreifen bisher den Namen „Azaro“ trugen und diese Bezeichnung im Laufe der zurückliegenden Jahre entsprechend der Weiterentwicklung des Produktes um die Namenzusätze „II“ und schließlich „III“ ergänzt wurde, müssen die Zweiradfans nun umdenken. „Viper“ heißt jetzt nämlich die neueste Generation Sportreifen der britischen, zum US-amerikanischen Hersteller Cooper gehörenden Marke. „Mit der Namensänderung soll auch dokumentiert werden, dass es sich bei den Reifen um eine komplette Neuentwicklung handelt“, sagt Chris Denton, der bei Cooper-Avon Tyres Ltd. (Melksham/Großbritannien) für die Entwicklung neuer Motorradreifen verantwortlich zeichnet.

Quelle www.reifenpresse.de

Hinter dem Namen „Viper“ verbirgt sich aber nicht nur ein neuer Reifen, sondern gleich eine ganze Produktfamilie, die aus dem „Viper Sport“, „Viper Supersport“ und „Viper Xtreme“ besteht. Während die ersten beiden Varianten bereits seit Februar bzw. Mitte April im Markt sind, soll die „Xtreme“-Version etwa Mitte des Jahres folgen. Im Rahmen eines so genannten „Avon Track Day“ Mitte April auf dem Anneau du Rhin, den der Hersteller seit einigen Jahren anbietet, mussten die Teilnehmer daher vorerst mit dem Test des „Viper Supersport“ vorlieb nehmen. Während nämlich die „Sport“-Variante eher für diejenigen Biker konzipiert wurde, die einen sportlichen Hochleistungsreifen für den Alltag suchen, und der „Xtreme“ trotz seiner Straßenzulassung vor allem wohl auf der Rennstrecke sein Revier abstecken wird, ist der „Supersport“ ein Mittelding zwischen den beiden: Obwohl hauptsächlich für die Straße gedacht, sollen Grip und Fahreigenschaften dieses Reifens auch für die schnelle Rundenjagd auf der Piste taugen.

Wir haben die neue ‚Viper’-Reihe in nur knapp 18 Monaten von der ersten Idee bis hin zum fertigen Produkt entwickelt“, sagt Denton. Und dass man so Gas gegeben hat, kommt nicht von ungefähr. Wie Denton selbst sagt, seien die „Viper“-Vorgänger von ihrem Entwicklungsstand her etwa drei Jahre hinter den vergleichbaren Produkten des Wettbewerbs zurückgewesen. „Mit dem Launch der neuen Reifen und spätestens dann, wenn in zwei bis drei Monaten auch der ‚Xtreme’ verfügbar sein wird, haben wir wieder in jedem Sportreifenuntersegment unserer Konkurrenz ein wettbewerbsfähiges Produkt entgegenzusetzen“, ist der Entwicklungsingenieur überzeugt. Und über die neuen Reifen will die Marke weiteres Wachstum im Motorradreifenmarkt generieren. Bezogen auf den gesamten europäischen Motorradreifenmarkt reklamiert der Hersteller einen Marktanteil von rund fünf Prozent für sich. Dabei – so Denton – stelle sich die Situation in den einzelnen Ländern Europas ganz unterschiedlich dar: In manchen läge man bei fast zehn Prozent, in anderen stehe eine Null vor dem Komma.

Zu den wichtigsten Märkten zählen neben dem Heimatmarkt Großbritannien vor allem Frankreich, Italien und Deutschland. „In Deutschland konnten wir unseren Motorradreifenabsatz im vergangenen Jahr trotz des allgemein rückläufigen Marktes um zehn Prozent steigern. Was den Marktanteil betrifft, dürften wir damit in etwa bei drei Prozent liegen“, erklärt Robert Rost, Produktmanager Motorradreifen bei der Cooper-Avon Reifen GmbH. Seinen Worten zufolge konnte man diesbezüglich in den zurückliegenden Jahren stetig hinzugewinnen, für 2002 und 2003 nennt er Werte von rund einem bzw. knapp zwei Prozent Marktanteil in Deutschland. „Für dieses Jahr peilen wir – unterstützt nicht zuletzt durch die neu vorgestellte ‚Viper’-Reihe – ein Absatzwachstum von 20 Prozent an“, gibt Winny Lintner, Vertriebsleiter Motorradreifen bei der deutschen Cooper-Avon-Dependance in Groß-Umstadt, die Ziele für 2005 vor. „Wir denken, dass wir über kurz oder lang einen Marktanteil von vielleicht fünf Prozent in Deutschland erreichen können“, ergänzt Rost.

Große Hoffnungen ruhen also auf der der neuen „Viper“-Reifenfamilie. Ein entsprechender Aufwand wurde daher bei der Entwicklung der Pneus betrieben. So achtete man zum Beispiel beim Profildesign insbesondere darauf, dass sich darüber ein flüssigerer Bewegungsablauf beim schnellen Seitenwechsel in Kurven erzielen und gleichzeitig eine möglichst große Aufstandsfläche bei aufrechter Fahrt realisieren lässt. Dadurch, dass die Profilrillen nicht bis zur Reifenschulter des Reifens reichen, soll sich außerdem die Steifigkeit der Karkasse und damit die Stabilität und Kontrollierbarkeit des Pneus beim Fahren verbessern. Und dank „Enhanced-Aqua-Flow“-Technik bei der Profilgestaltung soll das Profil effizient und schnell Wasser aus der Aufstandsfläche verdrängen. Als weiterer technischer Fortschritt wird die „Viper“-Gummimischung angesehen, da hier nach Aussagen des Herstellers eine ganz neue Silica-Formel verwendet wird, um den Grip insbesondere auf nassen Fahrbahnen weiter zu erhöhen und die Aufwärmzeit sowohl bei Nässe als auch bei Trockenheit zu verringern. Und bei dem für den Renneinsatz entwickelten „Viper Xtreme“ verfügt der Hinterreifen über eine Rennmischung, die speziell für den Einsatz auf Rundkursen optimiert wurde.

Hand legten die Entwickler darüber hinaus beim Reifenunterbau an, wobei sich zahlreiche der in jüngerer Vergangenheit von dem Hersteller eingeführten Technologien wiederfinden. Beispielsweise verbirgt sich hinter dem Kürzel A-VBD (Aramid Variable Belt Technology) ein nahtloser Gürtel aus Aramid-Fasern, der rund um den Reifen läuft und in der Mitte des Profils enger gewickelt wird als im Schulterbereich. Damit will man einerseits höchste Stabilität und große Verschleißfestigkeit erreichen, andererseits wird mit den in Richtung Profilrand immer weiter auseinander liegenden Aramid-Fäden eine Verbreiterung der Reifenaufstandsfläche in Kurven verbunden. Spezielle, SBC (Spiral and Belted Carcass) genannte und besonders stabil beschriebene Gürtel unterhalb der Aramid-Fasern sind für die Kompensation des Drucks auf die Karkasse zuständig, der – wie Avon sagt – durch den Grip des „Viper“ verursacht werde. Advanced Tread Arc Combination oder kurz ATAC wird die Technologie einer variablen Reifenkontur genannt, von der – unabhängig vom Neigungswinkel des Motorrads – die Fahreigenschaften und die Stabilität profitieren sollen. Und unter dem Schlagwort „Enhanced Stability System“ subsummiert Cooper-Avon das Zusammenwirken von Karkasse, Seitenflanke und Profildesign, das punktuelles Durchbiegen innerhalb der Kontaktfläche des Reifens vermeiden helfe und dadurch Grip und Stabilität erhöhe sowie den Verschleiß des Reifens vermindere.

Unterschiede zwischen den drei „Viper“-Varianten gibt es vor allem bezüglich der Profilierung bzw. der zum Einsatz kommenden Laufflächenmischung. So ist das Profil der „Supersport“-Version zwar identisch mit dem der „Sport“-Ausführung, aber was das Laufflächengummi angeht, kommt hier bereits die „Race-C“-Mischung zum Einsatz. Dafür bleibt beim Schritt vom „Supersport“ zum noch kommenden „Xtreme“ die Mischung identisch, dafür sind bei letzterem aber deutlich weniger Profilrillen vorgesehen. Entsprechend dem anvisierten Einsatzzweck wird der „Xtreme“ also deutlich slickähnlicher als die beiden gemäßigteren Versionen werden – das lässt sich bereits jetzt sagen, obwohl an dem Pneu derzeit noch gefeilt wird. „Wir halten es für besser, lieber jetzt noch etwas länger an den letzten Details des Reifens zu arbeiten und dann ganz vorne mit dabei zu sein, als den ‚Xtreme’ jetzt übereilt auf den Markt zu bringen und dann möglicherweise doch noch ein kleines Stück hinter den Wettbewerbern zurück zu liegen“, meint Lintner und spielt damit auch auf in der Fachpresse veröffentlichte Reifentests an.

„Solche Vergleichstests sind zwar nicht ganz unwichtig, doch was nützen die Ergebnisse, wenn dort jemand die Reifen beurteilt, der mit seiner Maschine ständig im Grenzbereich unterwegs ist, in den die meisten Fahrer selbst nie vorstoßen“, so Lintner. „Wir halten es daher für wichtig, dass Motorradfahrer sich selbst von der Leistung unserer Reifen überzeugen können. Deshalb setzen wir auf solche Events wie den ‚Avon Track Day’“, erklärt er die Motivation für die Rennstreckentrainings. Und in diesem Jahr sollen seinen Worten zufolge mindestens ein, vielleicht sogar noch zwei weitere Termine angeboten werden – die diesbezüglichen Verhandlungen seien bereits in vollem Gange. Aber nicht nur sportlichen Fahrern wird etwas geboten, auch Tourenfahrer will man über die „Avon Tour-Trophy 2005“ ansprechen. Dazu kooperiert man mit elf Hotels von der Schlei im hohen Norden bis zu den Dolomiten im Süden. Bei jedem der angesteuerten Häuser bekommen die Teilnehmer an der Aktion pro Übernachtung eine Stempel auf eine über www.motoroute.net erhältliche Karte und die per GPS ermittelte zurückgelegte Fahrstrecke vom Heimatort zum Hotel in Form von Punkten gutgeschrieben. Sieger der Trophy – als Preise sind unter anderem Motorradbekleidung, ein Helm oder Reifen ausgelobt – ist derjenige Biker mit der höchsten erreichten Punktzahl.

Bedingung ist jedoch, dass die Teilnehmer wenigstens zum Schluss der Trophy auf Avon-Reifen unterwegs sind. Als zusätzlicher Anreiz zum Mitmachen erhalten Interessenten bei Vorlage einer mit Adresse versehenen Stempelkarte bei ihrem Reifen- oder Motorradhändler 15 Euro beim Kauf eine Avon-Reifensatzes vergütet. In Kürze darf man auch mit einer komplett neuen CD-ROM des Herstellers rechnen, auf der die Bereifungsmöglichkeiten für über 4.000 Motorräder enthalten sein sollen. „Mit dabei wird auch ein kleiner Bereich extra für Oldtimer sein. Denn Fahrer solcher Maschinen sind froh, wenn man ihnen wenigstens ein Datenblatt an die Hand geben kann, mit dem sie dann bei ihrer Prüfstelle vorfahren können. So einen Service bietet nicht jeder Hersteller, aber uns liegt das sehr am Herzen“, erklärt Robert Rost. Bei der Marke Avon bewegt sich also einiges. Allerdings hat ein solches Wachstum manchmal auch negative Seiten. So könnte man in Deutschland wohl durchaus mehr Reifen absetzen – wenn man denn die entsprechenden Stückzahlen aus dem britischen Werk Melksham geliefert bekäme.

„Eine Kapazitätsausweitung ist daher immer ein Thema bei uns, vor allem wenn wir ein so gutes Produkt den ‚Viper’-Reifen im Angebot haben“, meint Chris Denton auf entsprechende Nachfrage der NEUE REIFENZEITUNG bezüglich dieser Problematik. Allerdings sei Avon Tyres nur eine kleiner Part im Cooper-Konzern und das Segment Motorradreifen wiederum nur ein kleiner Part von Avon Tyres. „Nichtsdestotrotz ist der Bereich für uns sehr wichtig, was mit dem Aufwand, den wir für die Entwicklung der neuen Reifen betrieben haben, nur unterstrichen wird“, so Denton. Insofern wird abzuwarten sein, ob man dem erwarteten „Ansturm“ auf die neuen Produkte auf der Lieferseite wird gerecht werden können oder ob Investitionen in eine erweiterte Produktionskapazität auf absehbare Zeit Linderung bringen. Zu wünschen wäre es dem kleinen, aber deswegen nicht minder engagierten Avon-Motorradreifenteam jedenfalls.